Jammerdepression

  

Nach außen

jammern wir und beschweren uns

über das Wetter, den Unfrieden in dieser Welt, die Ausbeutung der Natur, den Klimawandel,

über unsere Gesellschaft, die Politik unseres Landes,

über unsere Geldnöte, unsere Nachbarn, die Lehrer unserer Kinder

und nicht zuletzt über unsere Familie und unsere Partner.

 

Nach innen

jammern wir und beklagen

unser eigenes Krank-Sein

unseren ureigenen Schmerz.

 

Wir jammern irgendwie immer

den ganzen Tag, das ganze Jahr.

 

Gleichzeitig - ja gleichzeitig

weigern wir uns hartnäckig,

uns selbst den Spiegel vorzuhalten,

unsere Gewohnheiten zu hinterfragen,

unsere Perspektiven zu erweitern,

kleine Dinge unseres Alltags aktiv zu verändern...

Eigenverantwortung zu übernehmen.

 

Wie viel Kraft kostet uns diese Jammerdepression?

Erstaunlicherweise: eigentlich keine ... sie ist billig und einfach.

Denn sie ist uns zur Gewohnheit geworden, eine überaus menschliche, gedankliche Projektion.

Sie kostet uns lediglich Zeit. Viel Zeit. Lebenszeit. Lebenslänglich. 

Was uns allerdings Kraft kostet, viel Kraft, Lebenskraft,

ist die Suche nach dem/den Schuldigen für unser Leiden ...

sie füllt unsere Zeitungen, unsere Nachrichten, unsere Talk-Shows und nicht zuletzt:

unsere small-Talks.

 

Fröhliches Weiter-Jammern !?

 

Annette Ehrhard, 2015